© Muriel Liebmann
Edgar Selge
„Es ist ganz gleich, wo wir beginnen, uns im Vertrauen zu üben: mit uns oder mit anderen. Nur anfangen müssen wir.“ Dieser Satz steht am Anfang eines Romans, in dem der Erzähler das Tagebuch des sechzehnjährigen Jura Rjabinkin liest, der während der Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht verhungerte. Durch die wiederholte Lektüre entsteht das Gefühl, den Jungen wirklich zu kennen. Jura wird zur Figur des Romans, ebenso wie der Erzähler selbst. Zwischen beiden entwickelt sich eine vorsichtige, später immer engere Begegnung, in der sie über Jugend, Träume, Literatur, Mütter, Gewalt, Fremdheit und Nähe sprechen und einander ihre persönlichsten Geschichten anvertrauen. Edgar Selge setzt damit einem jungen Menschen, der von den Nazis ermordet wurde, ein literarisches Denkmal und lässt ihn mit großer erzählerischer Fantasie lebendig werden.
Edgar Selge
8.10. 20.00 Uhr / Schauspiel Frankfurt
Schauspiel Frankfurt
Innenstadt, Neue Mainzer Straße 17
Willy-Brandt-Platz